Das Projekt

Das schnell wachsende Urumqi im Nordwesten Chinas hat sich mit mehr als 5,1 Millionen Einwohnern zur größten städtischen Agglomeration in Zentralasien entwickelt. Aufgrund der hohen Entwicklungsdynamik und den klimasensiblen Umfeldbedingungen muss Urumqi ernste Herausforderungen meistern, um sich nachhaltig weiterentwickeln zu können.

In enger Kooperation mit den chinesischen Partnern verfolgt das Projekt Integrierte Planung zur Entwicklung einer klimasensitiven Stadtregion in Westchina/Zentralasien – RESILIENT Urumqi (RESURC) das Ziel, durch die Entwicklung eines integrierten Planungsansatzes, die Resilienz zu erhöhen  und die nachhaltige Entwicklung der Region zu fördern. Der Bezirk der „Urumqi Economic and Technological Development (UETD)“ eignet sich hierzu besonders gut. Das Projekt fokusiert auf die folgenden Schwerpunkte:

  1. die CO2– und Schadstoffemissionen drastisch zu reduzieren und das städtische Klima mit besonderem Fokus auf die Luftqualität zu verbessern
  2. die städtischen Ver- und Entsorgungssysteme zu optimieren, um ihre Anpassungsfähigkeit zu erhöhen und die Verwundbarkeit zu reduzieren
  3. die systemischen Interdependenzen und Verflechtungen zwischen Stadt und Umland aufzuzeigen, um zusätzliche Synergien auszuloten.

Der erste Schwerpunkt zielt auf eine intelligente Verknüpfung hinsichtlich der weiteren Entwicklung von Industriegebieten und benachbarten Wohngebieten im UETD-Distrikt. Er umfasst ein neu modifiziertes und diversifiziertes Mobilitätskonzept, ein städtebauliches Lüftungsmodell zur Abfuhr von Restschadstoffemissionen sowie Maßnahmen zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegen extreme Wetterereignisse und zur Vermeidung schwerwiegender Gesundheitsrisiken durch Smog oder Wärmestau. Möglichkeiten zur Verbesserung der Ressourceneffizienz in Industriegebieten werden geprüft, und unvermeidbare Abwärme, Abwasser und Abfallstoffe sowie Stromüberschüsse werden über eine geeignete Infrastruktur in Wohngebiete transportiert und dort genutzt (teilweise auch umgekehrt). Die Kombination von Industrie- und Wohngebieten und die Identifikation systemischer Wechselwirkungen ermöglichen Optionen zu Rückgewinnung und Synergien, die ansonsten nicht realisierbar sind. Diese führen zu erheblichen Einsparungen und Effizienzeffekten bei den Emissionen.

Der zweite Schwerpunkt zielt auf einen intelligenten Mix aus zentralen und dezentralen Systemen ab, beispielsweise die Kombination von Fernwärme und lokaler Wärme oder die dezentrale Energieversorgung durch die Kombination von fossilen und erneuerbaren Energien. Die Diversifizierung und Dezentralisierung der Ver- und Entsorgungssysteme erhöhen die Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit einschließlich der Reaktionsfähigkeit auf die künftige Entwicklung. Es verringert die Vulnerabilität, indem mehrere disperse Strukturen als Subsysteme mit der zugehörigen Redundanz bereitgestellt werden.

Der dritte Schwerpunkt umfasst Stadt-Land-Beziehungen, die systematisch als Teil der zuvor genannten Planungsaspekte betrachtet werden. Sie spielen beispielsweise eine Rolle bei der Energieversorgung mit Windenergie- und Photovoltaikanlagen. In Bezug auf das Stadtklima und das Lüftungskonzept trägt die Entwicklung regionaler Grünkorridore und Freiraumsysteme entscheidend zur Berücksichtigung von Erzeugungsgebieten und Frischluftwegen bei. Ebenso wichtig sind die Stadt-Land-Beziehungen für den regionalen Wasserhaushalt, das Abwasser und die Abfälle.

Der integrierte Planungsansatz, der die Synergieeffekte zwischen den komplexen Aufgaben maximieren soll, führt zu einer inter- und transdisziplinären Zusammenarbeit innerhalb des Projektkonsortiums. Koordiniert vom IUWA – Institut für Umweltwirtschaftsanalysen Heidelberg setzt das Verbundprojekt ebenfalls auf die Kompetenzen der Frankfurt University of Applied Sciences (FRA-UAS), des AT-Verbands (AT-V) und auf mehrere Subunternehmer für wichtige ingenieurspezifische Teilaufgaben.

Die Forschungsarbeiten werden in enger Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern durchgeführt und von politischen Entscheidungsträgern unterstützt. Seit dem Jahr 2005 werden vertrauensvolle Beziehungen zu den chinesischen Partnern, welche aus mehreren Vorläuferprojekten stammen, gepflegt. Das Projekt setzt an Problemen und Phänomenen an, die typisch für schnell wachsende Städte in China sind, was zu einer hohen Übertragbarkeit der Ergebnisse und Lösungen führt.

Erwartete Ergebnisse

Während der 18-monatigen Definitionsphase werden die repräsentativen Untersuchungsgebiete nach einer ersten Datenerhebung genau definiert. Unter Berücksichtigung von Synergien werden konzeptionelle Ansätze mit Fokussierung auf eine integrierte Planung für eine resilientere UETD/Urumqi entwickelt, die Ver- und Entsorgungsinfrastrukturen, Verkehr und Mobilität, Lüftung, Frei- und Grünraumnetze usw. abdecken.